16. April 2005: Der neue Papst - und sein neuer Name (16.04.2005)
Von Philipp Kreisselmeier, ARD-Hörfunkstudio, Rom
Schon vor der letzten Papstwahl hatte man sich gefragt: Wer könnte auf den 33-Tage-Papst Johannes Paul I. folgen? Im angelsächsischen Sprachraum schlug man damals vor, auf "John Paul" müsste nun "George Ringo" folgen - dann hätte man alle vier Beatles beieinander.
Doppelnamen und die unbeliebte Zwei
Ein Papst "George Ringo" ist natürlich wenig wahrscheinlich. Welchen Namen der Neue wählt - es ist eine seiner ersten Amtshandlungen - kann aber Hinweise auf den Kurs geben, den er einschlagen will. Beim Erfinder des päpstlichen Doppelnamens war das allerdings gerade nicht der Fall: Albino Luciani verneigte sich im Jahr 1978 vor seinen beiden in innerkirchlichen Dingen eher gegensätzlichen Vorgängern Karol Wojtyla verneigte sich mithin vor allen Dreien, als er den Namen beibehielt und sich mit der römischen Zwei dahinter abgab. Es ist ja nur bei Fernsehsendern und Fußballclubs so, dass die Zwei unbeliebt ist. Mit Ausnahme des ZDF nennt sich wohl keine Anstalt der Welt freiwillig so; und von einem 2. FC ist mir auch nichts bekannt.
Damit sind wir schon bei der naheliegendsten Option: Johannes Paul III. Damit täte der Mann jenen aus künftigen Generationen einen Gefallen, die den Ehrgeiz haben, alle Päpste der Kirchengeschichte auswendig zu lernen. Das wäre dann von 1978 bis weit ins 21. Jahrhundert, bis Nummer 265 derzeit, ein Kinderspiel: Johannes, Paul, Johannes Paul, Johannes Paul, Johannes Paul und so weiter.
Auch lässt sich "Giovanni Paolo!" (bambambam bambaam) trefflich skandieren, was, wie wir mittlerweile wissen, bis zu allerletzt, bis zur Trauerfeier, dringend sein musste.
Hardliner Paul - Reformer Johannes
Aber jetzt wieder im Ernst:
Der demnächst vom Konklave Erwählte könnte eine von ihm gewollte kirchenpolitische Richtungsentscheidung gleich als erstes bekanntgeben, indem er sich Paul VII. oder Johannes XXIV. nennte.
Paul, das stünde in Sachen Kurienreform und innerkatholische Demokratisierung wohl für ein Nein. Johannes dagegen - da wäre mit einer Vollendung und Weiterführung von Reformen im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils zu rechnen.
Die 24 als römische Zahl ist, egal ob XXIV oder XXIIII, ein bisschen mühsam zu lesen und zu schreiben, aber da würden wir uns schon dran gewöhnen. XXIII ging ja auch. Der Grund, aus dem sich der 1958 Gewählte für einen so häufig benutzten Namen entschied, könnte übrigens auch wieder zum Tragen kommen: Der Roncalli-Papst wollte - abgesehen davon, dass es mit dem Evangelisten und dem Täufer zwei besonders wichtige heilige Johannesse gibt - wohl vor allem die kirchengeschichtliche Reihung klarstellen und dem Gegenpapst Gregors XII. die Zahl entwinden, die er seit dem 15. Jahrhundert für sich in Anspruch nahm. Sollte dieses Kriterium nächstens wieder eine Rolle spielen sollen, böten sich die Namen Stephan und Felix an; auch der etwas originellere Anastasius käme in Frage. Aber dringender Klärungsbedarf besteht hier eigentlich nicht.
Philipp Kreisselmeier
Für Abergläubische - ein 13. Papst Pius?
Was den häufigsten Papstnamen der letzten zwei Jahrhunderte angeht, so brächte der eine gut katholische Stellungnahme gegen den Aberglauben: Wir bekämen es mit dem 13. Pius zu tun.

Die CD "Rock my Soul" des Abtprimas Notker Wolf (Quelle: Erzabtei St. Ottilien)
Der zwölfte, dem damit unweigerlich eine Reverenz erwiesen würde, ist freilich umstritten; aber fast nur außerhalb der Kirche. Übrigens muss, was oft vernachlässigt wird, ein Papst seinen Geburtsnamen ebenso wenig ablegen, wie ein englischer König den seinigen bei der Thronbesteigung behalten muss. Aus dem Prinzen Charles könnte also ein König Johannes Paul werden, wenn die Hinwendung der Royal Familiy zum Vatikan so weitergeht. Und aus dem Abtpräses Notker Wolf - wenn das Konklave originell sein will und keinen "aus seiner Mitte" kürt - der Papst Notker. Womit man wieder bei den Musikern wäre - der Präses spielt nämlich in einer Rockband.
Hörprobe