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Berichtet aus Rom:
Philipp Kreisselmeier
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Der Einfluss der Parteien - und nicht nur der Regierungsparteien - auf die RAI ist
nicht neu. "Lottizzazzione" hieß das alte System: Nach einem allgemein akzeptierten
oder jedenfalls nicht weiter in Frage gestellten System "gehörten" in den
Nachkriegsjahrzehnten von den drei RAI-Fernsehprogrammen je eines den
Christdemokraten, eines den Sozialisten (PSI) und eines den Kommunisten.
Da die PSI oft mit der "Democrazia cristiana" koalierte,
galt also viele Jahre lang ein Verhältnis von 2:1 zwischen linken und rechten Parteien.
Nicht erst seit dem Amtsantritt Silvio Berlusconis gilt eine Methode,
die den Einfluss der Regierung mindern soll: Ein fünfköpfiges
Aufsichtsgremium, der so genannte Verwaltungsrat, wird von den
Präsidenten der beiden Parlamentskammern benannt - Männern,
die kraft ihres Amtes über den Parteien stehen sollten und bei ihrer
Auswahl offiziell, aber nur offiziell, keinerlei Einfluss aus der
Koalition ausgesetzt sind.
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Der aus den vergangenen Legislaturperioden übernommene Schlüssel
lautete 3:2 für die Regierung.
Erst als der Verwaltungsrat im März 2003 erneuert werden musste,
wich die Regierung von diesem Schlüssel ab und ersetzte ihn durch das
Verhältnis 4:1.
Vier - wie auch konservative Beobachter bestätigen - vor allem deswegen,
weil keine der vier Koalitionsparteien auf einen Sitz verzichten wollte.
So viel zur Partei-Ferne der Kammer-Präsidenten.
Die "1" auf der anderen Seite hatte die Folge, dass der einen halboffiziellen
Oppositions-Vertreterin im Kreise der Fünf der Titel der
Präsidentin gegeben werden musste,
um die Sache nicht allzu unausgewogen wirken zu lassen.
Nach 14 Monaten hat nun Lucia Annunziata den Posten mit der klangvollen
Bezeichnung hingeschmissen.
Egal ob nun 3:2 oder 4:1 - nach ihrer Darstellung nimmt der Verwaltungsrat,
für den sie das Bild eines "Briefkastens" prägte,
ohnehin nur noch Entscheidungen von außen, das heißt aus den
Zentralen der Regierungsparteien oder den Ministerbüros,
entgegen und gibt ihnen den pro forma notwendigen anstalts-amtlichen Segen.
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Dass unter Berlusconi der Zugriff der Politik auf den staatlichen Rundfunk
sich nicht gerade gelockert hat, überrascht in Italien ebensowenig wie im
Ausland, auch wenn er im Wahlkampf das Gegenteil versprochen hatte.
Besserung verspricht zumindest auf dem Papier die Medienreform, die
Präsident Carlos Azeglio Ciampi just am Tag von Annunziatas Rücktritt
unterzeichnet hat.
Das künftige Führungsgremium soll laut diesem Gesetz von einer
Zweidrittelmehrheit des Parlaments gewählt werden.
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